Die engagierten Diskussionen an der Branchenkonferenz Detailhandel zeigten: Ein guter GAV steht und fällt mit seiner Umsetzung.
Am 4. Juni fand die Branchenkonferenz Detailhandel im Syna-Zentralsekretariat in Olten statt. Im Zentrum der Konferenz von Basismitgliedern, Regionalsekretärinnen und -sekretären standen die Neuverhandlung des Lidl-Gesamtarbeitsvertrags (GAV) sowie das aktuelle Geschehen in der Branche.
Es harzt beim Vollzug
Die Anwesenden waren sich einig: Es geht nichts über einen guten GAV. Doch die Qualität der bestehenden GAV bereitet weniger Sorge als deren Umsetzung. Bei den Filialbesuchen stossen unsere Regionalsekretärinnen und -sekretäre immer wieder auf Desinteresse oder gar Widerstand. Oftmals sind fehlende Informationen bei Filialleitenden und Mitarbeitenden das Hauptproblem. Vereinzelt müssen wir jedoch vermuten, dass unsere Arbeit bewusst erschwert wird. Auch unsere Basismitglieder haben bestätigt, dass viele Mitarbeitende aus Angst nicht mit der Gewerkschaft sprechen wollen.
Hier gilt es, mit dem nötigen Fingerspitzengefühl vorzugehen und Wege zu finden, um vor Ort möglichst ungezwungen mit den Mitarbeitenden reden zu können. Gleichzeitig müssen wir auf Managementstufe konsequent eine gute Zusammenarbeit einfordern und deren Vorteile für beide Seiten aufzeigen.
Tankstellenshops: GAV nimmt Fahrt auf
Der GAV für die Angestellten von Tankstellenshops in der Schweiz ist seit Februar allgemeinverbindlich erklärt. Die Mitarbeitenden profitieren von merklichen Verbesserungen wie Lohnerhöhungen, fixen Arbeitspensen und vor allem auch von verlässlichen Ansprechpartnern bei Unstimmigkeiten im Einzelarbeitsvertrag. Syna erhielt viele Anfragen zu bestehenden Arbeitsverhältnissen – einige sind leider nach wie vor nicht GAV-konform. Deshalb mussten wir bereits Betriebe für eine baldige Kontrolle anmelden.
Blackbox Manor
Leider war in den letzten Monaten mehr über Manor zu hören, als von Manor selbst. Die Verunsicherung des Personals über die Zukunft des Unternehmens ist gross. Im Zuge des Mietstreits um die Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse befürchten wir zudem eine Massenentlassung. Syna wird sich an keinen für das Unternehmen schädlichen Spekulationen beteiligen. Wir fordern Manor aber auf, schnellstmöglich über ihre Firmenstrategie zu informieren, damit die Verunsicherung bei den Mitarbeitenden ein Ende hat.
Valora bleibt Sorgenkind
Nach dem Ausscheiden von Syna aus dem GAV mit Valora verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen für sehr viele Mitarbeitende erheblich. Valora führt ihren Kurs, immer mehr Verkaufsstellen in pseudo-selbstständige Agenturen auszulagern, konsequent weiter. Das Resultat: Immer weniger Mitarbeitende, die gegen aussen unter dem Label Valora arbeiten, unterstehen dem GAV, und die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich stetig.
Wir setzen uns weiterhin für die Anliegen unserer Mitglieder bei Valora ein. Wichtig ist aber auch, dass betroffene Mitglieder ihre Bedürfnisse an uns herantragen.
Wir geben unser Bestes
Im Detailhandel hat Syna einige Erfolge erzielt, auf die wir stolz sein können. Darauf dürfen wir uns allerdings nicht ausruhen, denn der Branche stehen tiefgreifende Veränderungen bevor. Auch im Detailhandel wird die Digitalisierung voll einschlagen. Die Beschäftigten in der Branche brauchen heute wie morgen unsere Unterstützung – dafür geben wir unser Bestes.
Weitere Auskünfte
Marco Geu, Zentralsekretär Detailhandel