Meine Arbeit
Zurzeit arbeite ich in einem Kiosk. Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Besonders mag ich die kurzen Gespräche mit den Kundinnen und Kunden – von Jung bis Alt. Auch Waren bestellen und beim Sortiment mitdenken gehört zu meinen Aufgaben. Das macht die Arbeit abwechslungsreich. Zudem haben wir eine neue Leitung, mit der ich sehr zufrieden bin. Zuvor habe ich über fünf Jahre in einem Tankstellenshop gearbeitet. Dann erhielt ich die Diagnose Gebärmutterhalskrebs und musste operiert werden. Anschliessend fiel ich für zwei Monate aus. Mein damaliger Chef wollte, dass ich die Operation verschiebe, weil er in die Ferien wollte. Dabei hatte ich zuvor noch nie einen Tag krankheitsbedingt gefehlt. Da spürte ich praktisch keine Wertschätzung. Für mich war klar: So möchte ich nicht mehr für ihn arbeiten.
Meine Gewerkschaft
Zu Syna bin ich durch zwei Kolleginnen gekommen. Beide waren bereits Mitglied und haben mich überzeugt. Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt, einer Gewerkschaft beizutreten, aber die beiden gaben mir den letzten Anstoss. Meine Mitgliedschaft ist für mich vor allem eine ideelle Sache. Ich finde es wichtig, wofür sich Gewerkschaften einsetzen – auch politisch. Es braucht bessere Löhne und bessere Renten. Gerade für uns Frauen ist das wichtig. Man kann ein ganzes Leben lang arbeiten und hat am Ende trotzdem nur wenig auf der Seite. Das beschäftigt mich heute auch persönlich.Meine Zukunft
Ich erreiche bald das Pensionsalter. Wenn ich schaue, was über all die Jahre zusammengekommen ist, ist das nicht besonders viel. Bei der AHV habe ich zwar keine Beitragslücken, trotzdem wird meine Rente eher tief ausfallen. Auch bei der zweiten Säule ist wenig zusammengekommen. Als die Kinder kamen, habe ich auf Wunsch meines Mannes ganz aufgehört zu arbeiten. Heute bin ich mit einem Pensum von 60 Prozent angestellt. In meinem Alter eine Vollzeitstelle zu finden, ist schwierig. Deshalb stelle ich mich darauf ein, auch über das Pensionsalter hinaus weiterarbeiten zu müssen. Zum Glück mache ich meine Arbeit gerne. Trotzdem freue ich mich darauf, irgendwann etwas reduzieren zu können. Dann hätte ich mehr Zeit für meine Familie und meine Enkelkinder, könnte Freundinnen besuchen – oder mir wieder eine Nähmaschine kaufen und schneidern. Schliesslich habe ich das einmal gelernt.