Von Arno Kerst auf 10.8.2018
Kategorie: Arbeit

Flankierende Massnahmen: Bitte auf Augenhöhe!

​Die Gewerkschaften übernehmen Verantwortung für die Sozialpartnerschaft. Gerade deshalb sind sie nicht bereit, über den Abbau des Lohnschutzes in der Schweiz zu diskutieren. Ein Kommentar von Syna-Präsident Arno Kerst zur aktuellen Entwicklung rund um die Flankierenden Massnahmen.

«Verantwortungslos» und «rückwärtsgewandt»! Die Zuschreibungen waren schnell geschrieben als Travail.Suisse und der Schweizerische Gewerkschaftsbund diese Woche verkündeten, nicht an den von Bundesrat Johann Schneider-Ammann initiierten Gesprächen zum Abbau der Flankierenden Massnahmen (FlaM) teilzunehmen. An den schweizerischen Massnahmen zum Lohnschutz stört sich die EU-Kommission schon lange. Darum will sie diese in die Verhandlungen zum Rahmenabkommen Schweiz-EU miteinbeziehen. Der Bundesrat hat die FlaM aber als rote Linie, als nicht verhandelbar erklärt.

Kein Lohndumping, in der Schweiz sollen für alle Schweizer Löhne gelten. Das ist ein Versprechen. Deshalb bieten die Gewerkschaften konsequenterweise nicht Hand zum Streichprogramm beim Lohnschutz, das jetzt vom Wirtschaftsminister vorgelegt wurde. Johann Schneider-Ammann ist nun von den Gewerkschaftern Adrian Wüthrich und Paul Rechsteiner enttäuscht, umso mehr er sich als Hüter und Anwalt der Sozialpartnerschaft versteht.

Doch welcher Sozialpartnerschaft? Genau da liegt das Problem!

Die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmenden, von mit Europa wirtschaftenden Unternehmen und inländischen Arbeitskräften sind nicht deckungsgleich: Da der Wunsch nach maximaler unternehmerischer Freiheit und Profitmaximierung, hier das Bedürfnis nach sicheren Lohn- und Arbeitsbedingungen. Da das Kapital, hier die Arbeit. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen - aber durch die Sozialpartnerschaft konstruktiv regeln – sofern die Sozialpartnerschaft auf Augenhöhe gelebt wird. Und diese gleiche Augenhöhe, dieses Gleichgewicht von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen ist bei der aktuellen Diskussion über die FlaM nicht gegeben – und zwar gleich zweifach:

Also nichts von verantwortungslos und rückwärtsgewandt! Travail.Suisse bietet – in enger Absprache mit Syna – aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Interessen der Arbeitnehmenden nicht Hand zum Abbau des Lohnschutzes. Und es ist auch vorausschauend, eine Abbauübung nicht zu unterstützen, die an der Urne Schiffbruch erleiden würde.

Und jetzt? Ein Scherbenhaufen? Das muss nicht sein – wenn Sozialpartnerschaft nicht nur proklamiert, sondern auch tatsächlich auf Augenhöhe gelebt wird!

Arno Kerst, Präsident

Flankierende Massnahmen: Travail.Suisse diskutiert nicht über reine Abbauvorlage - Aktuell

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Entsendung und Flankierende Massnahmen