Plattenlegerinnen und Plattenleger in der Deutschschweiz können ab Ende 2027 bereits mit 62 Jahren in Pension gehen. Mit dem neuen GAV zieht die Branche mit der Westschweiz gleich, wo in vielen Bereichen des Baunebengewerbes bereits Frühpensionierungsmodelle bestehen.
Die Rechnung für jahrzehntelange harte Arbeit kommt oft erst am Ende des Berufslebens. Wer schwere Lasten trägt, auf den Knien arbeitet oder Lärm, Staub und anderen Belastungen ausgesetzt ist, bezahlt dafür häufig mit der eigenen Gesundheit. Rücken, Knie und Schultern verschleissen, das Gehör nimmt ab und Atemwegserkrankungen machen sich bemerkbar. Die offiziellen Zahlen der Suva zeigen: Gehörschäden, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Atemwegserkrankungen gehören zu den häufigsten Berufskrankheiten – typische Folgen der körperlich belastenden Arbeit im Bau- und Baunebengewerbe. Da viele Berufskrankheiten erst kurz vor der Pension oder sogar danach auftreten, kann eine frühere Pensionierung helfen, ihre Folgen zu begrenzen und den Ruhestand gesünder zu erleben.
Erfolgreiche Sozialpartnerschaft
Diese Belastungen gehören auch im Plattenlegergewerbe zum Alltag. Umso wichtiger ist der neue Gesamtarbeitsvertrag mit einem Frühpensionierungsmodell. «Das ist das Ergebnis hartnäckiger Verhandlungen und zeigt, was die Branche gemeinsam für ihre Mitarbeitenden erreichen kann», sagt Guido Schluep, Branchenleiter bei Syna. Auch die Arbeitgeber stehen hinter der Lösung. Konrad Imbach, Zentralpräsident von Ceruniq, sieht darin einen Gewinn für die ganze Branche: «Dank der Frühpensionierung können wir angesichts des Fachkräftemangels die Attraktivität unserer Branche steigern.» Das Modell knüpft an die positiven Erfahrungen in der Westschweiz sowie in Basel und im Tessin an und zeigt, dass funktionierende Sozialpartnerschaft konkrete Verbesserungen für Arbeitnehmende und Betriebe schaffen kann.
Ein Signal für weitere Branchen
Während in der Westschweiz praktisch alle Branchen des Baunebengewerbes über Frühpensionierungsmodelle verfügen, besteht in der Deutschschweiz weiterhin Nachholbedarf – etwa bei Schreinern, Bodenlegern, Elektroinstallateuren, im Garten- und Landschaftsbau oder im Metallgewerbe.
Für Nora Picchi, Leiterin Gewerkschaftspolitik der Syna, ist deshalb klar: «Der Abschluss im Plattenlegergewerbe zeigt, dass gute sozialpartnerschaftliche Lösungen möglich sind. Die Plattenleger haben gezeigt, dass es geht. Nun braucht es weitere Branchen, die ihren Beschäftigten nach einem langen und körperlich belastenden Berufsleben einen früheren Ruhestand ermöglichen – bevor der Körper die Rechnung präsentiert.»