Von Syna auf 6.11.2026
Kategorie: Syna Magazin

Gastfreundschaft braucht faire Bedingungen

Das Schweizer Gastgewerbe ist auf qualifizierte und motivierte Mitarbeitende angewiesen – und steht vor der Herausforderung, genügend Fachkräfte zu gewinnen und langfristig in der Branche zu halten. Für Syna ist klar: Dazu braucht es faire und konkurrenzfähige Löhne, verlässlichere Arbeitsbedingungen und echte berufliche Perspektiven.

Ob im Restaurant, im Hotel, in der Küche, im Service oder im Housekeeping: Die Mitarbeitenden sorgen Tag für Tag dafür, dass sich Gäste wohlfühlen. Sie arbeiten dann, wenn andere ihre Freizeit geniessen – am Abend, am Wochenende und an Feiertagen. Das gehört zum Gastgewerbe. Es darf aber nicht bedeuten, dass die Bedürfnisse der Beschäftigten zu kurz kommen.

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitenden bleibt für Teile des Gastgewerbes eine Herausforderung. Gleichzeitig steht die Branche vor der Aufgabe, qualifizierte Mitarbeitende langfristig zu halten. Wer über den Fachkräftemangel spricht, muss deshalb auch über die Arbeitsbedingungen sprechen.

Für Syna ist klar: Das Gastgewerbe muss im Wettbewerb um Arbeitskräfte attraktiver werden. Dazu braucht es faire und konkurrenzfähige Löhne, planbare Arbeitszeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit sowie echte berufliche Perspektiven.

Viel zu lange Stillstand

Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV) sichert schweizweit wichtige Mindeststandards. Doch ein Gesamtarbeitsvertrag muss sich weiterentwickeln, wenn sich die Arbeitswelt und die Bedürfnisse der Beschäftigten verändern.

Die Verhandlungen über eine Erneuerung des L-GAV waren 2019 abgebrochen worden. Danach dauerte es mehr als sechs Jahre, bis die Sozialpartner wieder gemeinsam über eine umfassende Weiterentwicklung verhandelten. Ganze 2380 Tage lagen zwischen dem Abbruch der damaligen Verhandlungen und der ersten neuen Verhandlungsrunde im November 2025.

Syna hat sich über Jahre für die Wiederaufnahme der Verhandlungen eingesetzt. Umso erfreulicher ist, dass die langjährige Verhandlungsblockade inzwischen überwunden wurde. Seit November 2025 sitzen Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften wieder gemeinsam am Verhandlungstisch. Das ist wichtig: Sozialpartnerschaft funktioniert nur, wenn beide Seiten bereit sind, miteinander nach Lösungen zu suchen.

Mehr Lohn – und eine Perspektive

Für Syna steht die Attraktivität der Berufe im Zentrum. Ein entscheidender Punkt dabei ist der Lohn. Die Mindestlöhne müssen konkurrenzfähig sein und die Kaufkraft der Beschäftigten muss geschützt werden. Gleichzeitig muss es sich lohnen, Berufserfahrung zu sammeln, sich weiterzubilden und der Branche treu zu bleiben.

Zu den zentralen Forderungen gehören deshalb höhere Mindestlöhne, ein automatischer Teuerungsausgleich und bessere Lohnperspektiven aufgrund von Qualifikation und Erfahrung. Dabei geht es um mehr als einzelne Frankenbeträge: Wer nach mehreren Jahren Berufserfahrung kaum eine finanzielle Entwicklung sieht, fragt sich zu Recht, welche Perspektive ihm die Branche bietet.

Das Leben muss planbar sein

Faire Löhne sind zentral – doch für die Attraktivität der Branche sind auch die Arbeitszeiten entscheidend. Flexibilität gehört zum Gastgewerbe – sie darf aber keine Einbahnstrasse sein.

Kurzfristige Dienstpläne und Änderungen erschweren die Organisation des Privatlebens. Wer Kinder betreut, Angehörige pflegt oder seine Freizeit planen möchte, braucht Planungssicherheit. Deshalb setzt sich Syna für verlässlichere Dienstzeiten, faire Regelungen für Arbeit auf Abruf, genügend Erholungszeit und mehr bezahlte Feiertage ein.

Gute Arbeitsbedingungen helfen auch den Betrieben: Sie erleichtern die Rekrutierung und tragen dazu bei, erfahrene Mitarbeitende länger in der Branche zu halten.

In Ausbildung und Nachwuchs investieren

Das Gastgewerbe lebt vom Können seiner Mitarbeitenden. Aus- und Weiterbildung müssen deshalb weiterhin gefördert werden und berufliche Entwicklung soll sich auch finanziell auszahlen.

Gleichzeitig muss die Branche jungen Menschen eine Perspektive bieten. Wer sich für eine Ausbildung im Gastgewerbe entscheidet, soll gute Bedingungen vorfinden und erkennen können, dass sich Qualifikation, Weiterbildung und ein langfristiges Engagement in der Branche lohnen.

Die Chance jetzt nutzen

Über die konkreten Inhalte der laufenden L-GAV-Verhandlungen berichten wir bewusst noch nicht. Die Sozialpartner haben vereinbart, Positionen, Zugeständnisse und Verhandlungsunterlagen vertraulich zu behandeln. Das schafft den nötigen Raum, um am Verhandlungstisch offen nach Lösungen zu suchen.

Der zeitliche Rahmen ist hingegen bekannt: Ziel bleibt, den neuen L-GAV wenn möglich am 1. Januar 2028 in Kraft zu setzen. Vorher müssen das Verhandlungsergebnis von den zuständigen Gremien der Sozialpartner genehmigt und das Verfahren für die Allgemeinverbindlicherklärung durchgeführt werden.

Nach Jahren ohne umfassende Neuverhandlung besteht nun die Chance, das Gastgewerbe gemeinsam fit für die Zukunft zu machen. Syna wird sich dafür einsetzen, dass daraus spürbare Verbesserungen für die Mitarbeitenden entstehen. Denn wer jeden Tag für die Gäste da ist, verdient gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne und eine echte berufliche Perspektive.

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