Rechte unter Druck Gleichstellung ist für mich kein abstraktes Ziel. Sie gehört zum Kern gewerkschaftlicher Arbeit – und sie ist alles andere als selbstverständlich. Gerade dieses Jahr zeigt, wie schnell Errungenschaften unter Druck geraten und wie wichtig es ist, sie zu verteidigen.
Am 14. Juni stimmen wir über die sogenannte «Nachhaltigkeitsinitiative » der SVP ab. Was nach Verantwortung klingt, ist in Wahrheit ein Rückschritt. Die Initiative gefährdet die Personenfreizügigkeit, den Lohnschutz und damit die Arbeitsbedingungen vieler Menschen in der Schweiz. Sie setzt auf Abschottung statt auf Lösungen – und nimmt in Kauf, dass wieder unterschiedliche Rechte für Arbeitnehmende gelten. Ein Blick zurück zeigt, wohin das führen kann: zu Abhängigkeit vom Arbeitgeber, zu unsicheren Aufenthaltsstatuten und zu schlechteren Arbeitsbedingungen für ausländische Beschäftigte. Für mich ist klar: Solche Zustände dürfen nicht zurückkehren. Darum ein klares Nein zu dieser Chaosinitiative.
Gleichzeitig blicken wir auf 30 Jahre Gleichstellungsgesetz zurück. Ein wichtiger Meilenstein – aber keiner, der uns zufriedenstellen kann. Frauen verdienen noch immer weniger als Männer für gleichwertige Arbeit, Care-Arbeit wird zu wenig anerkannt und der Schutz vor Diskriminierung bleibt lückenhaft. Besonders stossend ist für mich, dass viele Arbeitgeber ihre Pflicht zur Lohngleichheitsanalyse nicht konsequent erfüllen – und dass diese Unterlassung ohne Folgen bleibt. Ich bin überzeugt, Freiwilligkeit allein reicht nicht. Es braucht verbindliche Regeln, regelmässige Kontrollen und Sanktionen, wo sie nötig sind. Gleichstellung darf nicht vom Goodwill einzelner Unternehmen abhängen.
Diese beiden Beispiele zeigen mir, Gleichstellung ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Sie ist ein fortlaufender Prozess – und sie ist politisch umkämpft. Fortschritte sind möglich, aber sie bleiben verletzlich.
Deshalb braucht es eine klare gewerkschaftliche Haltung für gute Arbeitsbedingungen, für soziale Sicherheit und für echte Gleichstellung. Gleiche Rechte für alle dürfen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern müssen im Alltag ankommen.