Von Syna auf 22.7.2025
Kategorie: Engagement DE

Kapitalbezug aus der 2. Säule: freie Wahl oder verstecktes Steuerrisiko?

Kapitalbezug oder Rente: eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen.

Immer wieder werden unsere Gewerkschaftssekretär/-innen zur Umwandlung ihres Guthabens aus der 2. Säule befragt. Und zwar von Mitgliedern, die sich dem Rentenalter nähern. Sie wollen wissen, ob man sich für eine monatliche Rente oder für einen Kapitalbezug entscheiden soll.
Der Hintergrund: Heute können Personen im Rentenalter zwischen einer lebenslangen monatlichen Rente, dem vollständigen Kapitalbezug oder einer Kombination beider Optionen (teilweise Kapitalbezug, teilweise Rente) wählen. Der Kapitalbezug ist insbesondere für jene attraktiv, die investieren, Schulden tilgen oder frei über ihr Erspartes verfügen möchten. Doch er birgt auch zahlreiche Risiken:
Ungleichmässige Besteuerung und soziale Bedenken
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der berücksichtigt werden sollte, ist die steuerliche Behandlung: Während Renten als reguläres Einkommen versteuert werden, unterliegt der Kapitalbezug einem getrennten, reduzierten Steuersatz. Das ist oft deutlich vorteilhafter, insbesondere in bestimmten Kantonen.

Im Rahmen seines Sparprogramms bis 2027 plant der Bundesrat jedoch, die steuerliche Attraktivität von Kapitalbezügen aus dem BVG-Guthaben einzuschränken, was die Vorteile wieder zugunsten der Rente verschieben würde.

Während Travail.Suisse diese Massnahme als ineffizient beurteilt, sind sich unser Dachverband und Syna einig über die Notwendigkeit, das Rentensystem aufzuwerten. Zudem belasten zunehmende Kapitalbezüge die Ergänzungsleistungen, die eigentlich für finanziell benachteiligte Personen gedacht sind – nicht als Auffangnetz für individuelle Fehlentscheidungen. Das Kapital sollte daher besser reguliert werden, eventuell durch eine Beschränkung des Kapitalbezugs auf den überobligatorischen Teil.

Dies führt uns zu einer anderen heissen Debatte: der Individualisierung der beruflichen Vorsorge. In den 1970er-Jahren wurde noch über Volksrenten diskutiert – ein Konzept, das zugunsten des Drei-Säulen-Systems aufgegeben wurde. Heute stellen wir fest, dass die Solidarität immer stärker erodiert: zugunsten eines "Jeder für sich"-Denkens und wachsender Skepsis gegenüber sozialen Institutionen. Angesichts eines Systems, das ins Stocken geraten ist, sollten wir vielleicht zu den Grundlagen zurückkehren: allen Menschen eine würdevolle Rente zu garantieren, finanziert durch ein nachhaltiges und kollektives System.

Dafür setzt sich die Gewerkschaft Syna ein:
Die Gewerkschaft unterstützt das Prinzip der freien Wahl, fordert jedoch:

Uns interessiert nun: Welche Entscheidung hast du getroffen? Welche Vorteile du daraus gezogen? Was ist deine Meinung?
Sollte der Kapitalbezug stärker besteuert werden? Oder muss die Wahlfreiheit unbedingt bewahrt bleiben? Die Debatte hat erst begonnen. Schreibe uns und teile deine Meinung oder deine persönliche Erfahrung mit der 2. Säule. Dein Beitrag zählt!

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