Von Syna auf 2.4.2026
Kategorie: Chaos

NEIN zur «Keine 10-Millionen-Schweiz!»-Initiative: Syna lehnt die Nachhaltigkeitsinitiative klar ab

Wird die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» am 14. Juni 2026 angenommen, drohen der Schweiz weitreichende Folgen: Der Lohnschutz wird zerstört, Wohlstand und Arbeitsplätze geraten in Gefahr, und die Versorgung im Gesundheitswesen kann nicht mehr sichergestellt werden. Die SVP-Initiative ist eine Chaos-Initiative, die Arbeitnehmende mit Lohndruck, Unsicherheit und Instabilität konfrontiert und ausserdem die bilateralen Verträge mit der EU gefährdet. Die Gewerkschaft Syna lehnt sie klar ab. 

Ein Angriff auf den Lohnschutz aller Arbeitnehmenden
Die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP richtet sich in erster Linie gegen den Lohnschutz. Bei einer Annahme würde die Personenfreizügigkeit gekündigt und das bewährte System der flankierenden Massnahmen zerstört. Gesamtarbeitsverträge, gesetzliche Kontrollen und Bussen sorgen heute dafür, dass Arbeitgebende für gleiche Arbeit am gleichen Ort den gleichen Lohn zahlen. Genau diesen Schutz will die SVP beseitigen.

Paradoxerweise würde die Initiative das Gegenteil dessen bewirken, was sie verspricht: Der Bevölkerungsdeckel betrifft nur die ständige Wohnbevölkerung. Die Nachfrage nach Grenzgängerinnen und Grenzgängern, Kurzaufenthalterinnen und Kurzaufenthaltern sowie Arbeitskräften ausländischer Betriebe würde steigen. Diese Personengruppen sind von der Initiative nicht betroffen und haben oft tiefere Lebenshaltungskosten im Ausland, was den Lohndruck für alle Arbeitnehmenden in der Schweiz erhöht. 

Würde und Rechte: Nie mehr Saisonnierstatut
Viele Syna-Mitglieder kennen die Geschichte aus eigener Erfahrung oder aus den Erzählungen ihrer Eltern und Grosseltern: das Saisonnierstatut, das ausländische Arbeitskräfte jahrzehntelang rechtlos liess, Familien trennte und Kinder zwang, versteckt zu leben. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Hochphase dieses Systems bis zu 50'000 Kinder ohne legalen Status in der Schweiz lebten. Mit der Einführung der Personenfreizügigkeit 2002 wurde dieses unwürdige System abgeschafft.
Die Nachhaltigkeitsinitiative droht, ein neues Zweiklassensystem einzuführen. Wer keinen festen Aufenthaltsstatus hat, traut sich nicht, Missstände zu melden, einer Gewerkschaft beizutreten oder für seine Rechte einzustehen. Das schwächt nicht nur die Betroffenen, sondern alle Arbeitnehmenden.

«Diese Initiative täuscht die Menschen. Sie schwächt den Lohnschutz, gefährdet Wohlstand und Arbeitsplätze und führt dazu, dass die Versorgung im Gesundheitswesen nicht mehr sichergestellt werden kann. Die Initiative erinnert zudem auf beunruhigende Weise an das dunkle Kapitel des Saisonnierstatuts. Syna sagt klar Nein.»

Yvonne Feri, Präsidentin Syna


Die Pflege und die AHV sind auf Zuwanderung angewiesen
Die Schweizer Bevölkerung altert rasch. Ohne Zuwanderung würde die Erwerbsbevölkerung bis 2045 um rund 800'000 Personen schrumpfen, während die Zahl der Rentnerinnen und Rentner um rund 856'000 zunehmen würde. Bereits heute fehlen Pflegefachpersonen: Bis 2030 wird die Lücke auf rund 30'500 Stellen anwachsen. Ein Drittel des diplomierten Pflegepersonals stammt bereits heute aus dem Ausland, in der Westschweiz die Hälfte. Ohne Zuwanderung bricht die Versorgung in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie bei der Spitex zusammen.

Auch die AHV ist auf Zuwanderung angewiesen: Zugewanderte zahlen rund 34 Prozent der Gesamtbeiträge an AHV und IV ein, beziehen aber nur rund 19 Prozent der Leistungen. Ein Bevölkerungsdeckel würde dieses Gleichgewicht zerstören und zu höheren Beiträgen oder tieferen Renten für alle führen. 

Echte Probleme brauchen echte Lösungen
Syna nimmt die Sorgen der Arbeitnehmenden ernst: steigende Mieten, hohe Krankenkassenprämien, Lohndruck. Diese Probleme entstehen nicht durch Zuwanderung, und ein Bevölkerungsdeckel löst sie nicht. Die Initiative baut keine einzige Wohnung, senkt keine Prämie und erhöht keinen Lohn. Sie benennt einen Sündenbock, statt Antworten zu liefern. Dazu riskiert sie die bilateralen Verträge mit der EU und damit den Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt der Schweizer Wirtschaft.

Was wirklich hilft: starke Gesamtarbeitsverträge mit verbindlichen Mindestlöhnen, wirksame Lohnkontrollen und ein griffiger Mieterschutz, der Arbeitnehmende vor überhöhten Mieten schützt. Im Gesundheitswesen braucht es strukturelle Reformen, keine Abschottung. Und für eine zukunftssichere AHV braucht es Arbeitnehmende, die einzahlen. 

Syna empfiehlt ihren rund 60'000 Syna-Mitgliedern und allen Arbeitnehmenden in der Schweiz, am 14. Juni 2026 NEIN zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» zu stimmen.

Verwandte Beiträge