Für bessere Arbeitsbedingungen
Dieses Jahr feiern einige unserer Partnerorganisationen einen runden Geburtstag. Welche gemeinsame Basis verbindet sie? Und warum hatte dabei auch ein Papst seine Hände im Spiel?
Die Industrialisierung veränderte Europa im 19. Jahrhundert dramatisch: Die Wirtschaft entwickelte sich rasant und es entstanden zahlreiche neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig wuchsen die sozialen Missstände: Die Arbeiter wurden ausgebeutet, von fairer Entlöhnung oder geregelten Arbeitsbedingungen keine Spur. Um gegen diese Misere anzukämpfen, entstanden erste Arbeiterbewegungen. Viele waren politisch motiviert: Der Aufschwung der Arbeiterbewegung in Europa war eng verbunden mit den um 1840 aufkommenden sozialistischen Bewegungen.
Christich-sozial
Doch auch die Kirche befasste sich mit dem Elend der Arbeiter: So verfasste Papst Leo XIII. 1891 mit seiner Enzyklika «Rerum Novarum» ein eigentliches Standardwerk der christlichen Sozialkritik. In seiner Schrift verurteilte der «Arbeiterpapst» einerseits den Sozialismus. Gleichzeitig prangerte er die Ausbeutung der Arbeiter an und wies dem Staat eine soziale Verantwortung zu. Damit schuf Leo XIII. die Voraussetzungen zur Gründung sogenannter «christlich-sozialer» Arbeiterverbände um 1900 als Gegenbewegung rein sozialistischer Gruppierungen.
Auch in der Schweiz entstanden christlich-soziale Arbeiterverbände in diversen Berufsgruppen, unter ihnen die Vorgängerverbände von Syna. 1907 wurde der Dachverband «Christlichsozialer Gewerkschaftsbund der Schweiz» ins Leben gerufen (heute Travail.Suisse).
100 Jahre Organizzazione Cristiano Sociale Ticinese (OCST)
Im Tessin entwickelte sich die Arbeiterbewegung vergleichsweise spät: Lange Zeit arm und von Landwirtschaft dominiert, löste der Bau des Gotthardtunnels um 1880 grosse wirtschaftliche Veränderungen aus. Er brachte viele ausländische Arbeiter ins Land mit fortschrittlichen sozialen Ansichten aus der Heimat im Gepäck. Gleichzeitig prägten politische Flüchtlinge aus Italien das politische Klima.
Auf diesem Nährboden und nach Ende des Ersten Weltkriegs sowie des Landesstreiks wurde in Bellinzona am 18. Mai 1919 die Organizzazione Cristiano Sociale Ticinese (OCST) gegründet.
Heute mit 40 000 Mitgliedern die stärkste Gewerkschaft im Tessin, ist OCST in diversen Branchen aktiv.
ocst.ch
90 Jahre Syndicats Chrétiens Interprofessionnels du Valais (SCIV)
Im Wallis war es neben der Eisenbahn die Wasserkraft, die um 1900 eine grosse Industrialisierungswelle auslöste. Mit ihr entstanden erste Arbeiterbewegungen.
Am 9. Juni 1929 schlossen sich Gruppierungen gleicher Gesinnung zur «Fédération Valaisanne des Corporations et Syndicats Chrétiens» zusammen – den heutigen «Syndicats Chrétiens Interprofessionnels du Valais» (SCIV).
Mittlerweile betreuen die SCIV als wichtigste Gewerkschaft im französischsprachigen Wallis 12 000 Arbeitnehmende diverser Branchen.
sciv.ch
20 Jahre transfair
Travail.Suisse-Mitglied transfair hat ebenfalls christlich-soziale Wurzeln mit seinen 4 Gründerorganisationen «Verband christlichsoziales Verkehrspersonal» (GCV, 1922), «Verband des christlichen Staats- und Gemeindepersonals der Schweiz» (VCHP, 1922), «Schweizerischer Verband des christlichen Post-, Telegraphen- und Telephonpersonals» (ChPTT, 1929) und «Verband des christlichen Bundespersonals» (VCB, 1929).
Am 29. November 1999 fusionierten 3 der Verbände (ohne VCHP) zum gemeinsamen Personalverband transfair mit heute rund 12 000 Mitgliedern aus den Branchen Post/Logistik, Communication (zum Beispiel Swisscom), öffentlicher Verkehr und öffentliche Verwaltung.
transfair.ch
