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Aus den Regionen (D)

«Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung sind der Nährboden für Radikalisierung.»

Elise Tama führt die Partnerorganisation AFVA im Norden Benins. Dort haben radikale Gruppen Zulauf, regelmässig kommt es zu Angriffen in der Projektregion. Dies macht die Arbeit von AFVA und Brücke Le Pont anspruchsvoller. Aber auch umso wichtiger. 

Die Tage sind selten geworden, an denen der UNO-Sicherheitsrat mit geeinter Stimme spricht. Der 24. Januar 2025 war so einer. Die Mitglieder des mächtigen Gremiums verurteilten «die terroristischen Attacken in der Point Triple Area in Benin aufs Schärfste». Dort, im Norden des Landes, griffen bewaffnete Gruppen aus Niger und Burkina Faso einen gut ausgerüsteten Militärstützpunkt der beninischen Armee an.

Die Gruppe Jama'at Nusrat al-Islam wal Muslimin (JNIM), die der al-Qaida nahesteht, reklamiert den Angriff für sich. Rund 30 Menschen starben. Der beninische Oberst Faizou Gomina räumte ein: «Wir haben einen schweren Schlag erlitten.»

Einige Kilometer entfernt von dem Anschlag liegt ein Treffpunkt der Association des Femmes Vaillantes et Actives (AFVA) in der Gemeinde Kandi. Seit Anfang 2021 arbeitet Brücke Le Pont eng mit dieser lokalen NGO im Rahmen des Projekts Karité zusammen. Und somit mit Elise Tama, der Geschäftsführerin von AFVA. Schon lange beobachtet sie, wie die Unsicherheit im Projektgebiet stetig zunimmt. «Die Konfliktdynamik hat einen grossen Einfluss auf unsere Arbeit auf dem Feld», sagt Tama.

Über den Norden Benins wird in Schweizer Medien wenig berichtet. Was passiert dort?

Elise Tama: Der Ursprung der Gewalt liegt in den Grenzgebieten zu Burkina Faso und Niger. Dort destabilisieren bewaffnete Gruppen die Region. Die Gruppen schüren Angst, fördern Misstrauen und Spannungen. Davon profitieren sie, denn gleichzeitig inszenieren sie sich als Beschützer der Bevölkerung. 

Was bedeutet das für eure Arbeit?

Tama: Es gibt grosse Einschränkungen. Die zunehmende Unsicherheit verhindert den Zugang zu einigen ländlichen Gebieten, vor allem diejenigen, die in Grenznähe zu Burkina Faso und Niger liegen. Dorthin zu reisen ist wegen des hohen Risikos von bewaffneten Angriffen, improvisierten Sprengsätzen und Hinterhalten äusserst gefährlich. In diesen roten Zonen werden die Projektaktivitäten häufig verschoben, oder man gelangt mit militärischer Begleitung dorthin. Dies allerdings behindert unsere Arbeit stark. 

Ist der beninische Staat im Norden zu wenig präsent?

Tama: In gewissen ländlichen Gebieten schon. Aber die Behörden sind nicht untätig geblieben. Mit der militärischen Operation «Mirador» hat man die Präsenz in der Konfliktregion seit 2021 stark verstärkt. Mehr als 12 000 Soldat/-innen sind hier stationiert, die Bewaffnung der Truppen ist professionell. Den radikalisierten Gruppen aus dem Sahel spielt jedoch die Geografie der Region in die Hände. Die Grenzen mit Burkina Faso und Niger sind durchlässig, das Gelände uneben. Die Gruppen nutzen auch die weitläufigen Nationalparks, welche für die beninischen Sicherheitskräfte schwierig zu kontrollieren sind. All das erschwert den Kampf gegen sie. 

Der Norden ist selbst für beninische Verhältnisse arm. Welchen Einfluss hat dies auf die Sicherheit?

Tama: Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung sind der Nährboden für Radikalisierung. Deshalb ist auch unser Projekt in diesem angespannten Sicherheitskontext so wichtig. Indem wir auf Einkommensförderung, professionelle Berufsausbildung insbesondere bei den Jugendlichen und die Verbesserung der Lebensgrundlagen gefährdeter Haushalte setzen, dämmen wir die Bereitschaft, zur Waffe zu greifen, stark ein. Ausserdem fördert unser Projekt die soziale Kohäsion, indem es die Stigmatisierung bestimmter Gruppierungen verringert. 

Wie siehst du die Zukunft des Projekts?

Tama: Es wird wichtig sein, die gesellschaftliche und partizipative Dimension im Projekt weiter zu integrieren. Die Situation im Norden Benins ist derart komplex, dass daran kein Weg vorbeiführt. Die Menschen müssen aktiv dazu beitragen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Das bedeutet vor allem auch, lokalen Meinungsführer/-innen eine Schlüsselrolle im Projekt zu geben. Klar ist: Mit dem Karité- Projekt stärken wir nicht nur die sozioökonomische Position der Frauen und tragen zur Einkommensförderung in Familien bei, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Radikalisierung vor Ort. 

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