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Aus den Regionen (D)

Auch nach 60: weiterhin ein wichtiger Platz in der Arbeitswelt

In offiziellen, politischen oder arbeitgeberseitigen Diskursen ist häufig von einer Verlängerung des Erwerbslebens, der Wertschätzung von Erfahrung und individueller Verantwortung die Rede. Die Realität am Arbeitsplatz sieht für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 60 jedoch anders aus: Sie erleben eine schleichende Ausgrenzung, Zweifel an ihren Fähigkeiten, fehlende Perspektiven, Druck, früher aus dem Berufsleben auszuscheiden, sowie wachsende Sorgen im Hinblick auf die Pensionierung.

Dieser Widerspruch muss klar benannt werden. Wenn Erfahrung in der Theorie gewürdigt, in der Praxis aber ausgegrenzt wird, handelt es sich nicht um ein einfaches Missverständnis. Es geht um ein gesellschaftliches und berufliches Kräfteverhältnis, das einen Teil der Arbeitnehmenden schwächt – gerade in einem Moment, in dem sie auf die Anerkennung ihres beruflichen Weges zählen können sollten.

Ein oft schlecht behandelter Übergang in den Ruhestand

Für viele Arbeitnehmende gleicht das Ende ihrer Berufslaufbahn nicht einer Phase der Anerkennung, sondern einer schleichenden Verdrängung an den Rand. Sie werden weniger einbezogen, seltener weitergebildet und es wird weniger in ihre Zukunft investiert – als wäre ihr Platz im Unternehmen oder in der Institution bereits Vergangenheit.

Die Formen dieser Ausgrenzung sind bekannt. Dazu gehören Umstrukturierungen, die sich zuerst gegen Personen richten, die als «zu teuer» gelten, Gespräche, in denen stärker die Anpassungsfähigkeit als die vorhandenen Kompetenzen betont wird, plötzlich ausbleibende Beförderungen sowie wiederholte Bemerkungen über Tempo, Verfügbarkeit oder angebliche Schwierigkeiten, mit Veränderungen Schritt zu halten.

Hinzu kommt ein subtilerer Druck: eine Reduktion des Arbeitspensums zu akzeptieren, einen vorzeitigen Austritt in Betracht zu ziehen, bestimmte Verantwortlichkeiten abzugeben oder sich zurückzuhalten. Mit anderen Worten: sich schrittweise und möglichst geräuschlos zurückzuziehen, um nicht zur Belastung zu werden.


Altersdiskriminierung ist keine Schicksalsfrage

Es muss klar gesagt werden: Zu behaupten, eine Person sei zu alt, um sich weiterzuentwickeln, zu lernen, vollumfänglich beizutragen oder Verantwortung zu übernehmen, ist eine Form der Diskriminierung. Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz existiert – auch wenn sie sich hinter Begriffen wie Leistungsfähigkeit, Flexibilität oder Modernisierung versteckt.

Sie zeigt sich bei Einstellungen, wenn Erfahrung plötzlich als Nachteil betrachtet wird. Sie zeigt sich in Teams, wenn Witze über das Alter dazu dienen, Menschen abzuwerten oder auszugrenzen. Sie zeigt sich auch in der Weiterbildungspolitik, wenn Investitionen vor allem den Jüngeren vorbehalten werden, als hätten die letzten Berufsjahre keine Aufmerksamkeit mehr verdient.

Diese Logik ist gesellschaftlich gefährlich. Sie stellt Generationen gegeneinander, entwertet berufliche Lebenswege und vermittelt die Vorstellung, dass ein Mensch mit zunehmendem Alter an Legitimität verliert. Eine Gewerkschaft kann dies nicht akzeptieren. Die Interessen der 60+ zu verteidigen bedeutet nicht, eine Sondergruppe zu vertreten – es bedeutet, das Grundprinzip der Gleichbehandlung und des Respekts am Arbeitsplatz zu verteidigen.


Die Würde endet nicht am Übergang zur Pensionierung

Würde betrifft nicht nur die letzten Berufsjahre. Sie betrifft auch die Bedingungen, unter denen der Übergang in den Ruhestand gestaltet wird, sowie die finanzielle Sicherheit danach.

Von Menschen zu verlangen, länger zu arbeiten, während gleichzeitig Renten geschwächt, der Zugang zu Leistungen erschwert oder bestehende Ungleichheiten in den Erwerbsbiografien ignoriert werden, ist zutiefst ungerecht. Wer körperlich belastende Berufe ausgeübt, Erwerbsunterbrüche erlebt, tiefe Löhne erhalten oder Familienaufgaben übernommen hat, trägt bereits eine hohe Belastung. Noch mehr von ihnen zu verlangen, um das finanzielle Gleichgewicht zu sichern, bedeutet, die Last erneut denselben Menschen aufzubürden.

Die Pensionierung darf nicht als minimale Belohnung nach einem Leben voller Arbeit verstanden werden. Sie muss als Recht auf ein würdevolles, stabiles und respektiertes Leben anerkannt werden. Eine Gesellschaft, die dies verweigert, sendet eine harte Botschaft: Nach jahrzehntelanger Arbeit, Beitragszahlung und gesellschaftlichem Engagement müsste man sich weiterhin rechtfertigen, um angemessen leben zu können.


Die 60+ sind eine gemeinsame Stärke

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 60 sind weder eine Belastung noch ein Problem, das verwaltet werden muss. Sie sind eine wertvolle Arbeitskraft, ein berufliches Gedächtnis, eine Quelle der Weitergabe von Wissen und oft auch eine wichtige Stütze des gewerkschaftlichen Engagements.

In Unternehmen und Organisationen sind es häufig sie, die die Geschichte sozialer Errungenschaften kennen, die Gründe für bestehende Schutzmassnahmen verstehen und wissen, welche Kämpfe geführt werden mussten, um Rechte zu erreichen, die heute selbstverständlich erscheinen. Dieses Wissen auszulöschen bedeutet, das gesamte Kollektiv zu schwächen.

Die gewerkschaftliche Solidarität gewinnt, wenn sie der Gruppe 60+ einen vollwertigen Platz einräumt. Nicht aus Höflichkeit, nicht aus Nostalgie, sondern weil kein ernsthafter Kampf für soziale Rechte diejenigen ausschliessen darf, die Erfahrung aus diesen Kämpfen mitbringen.

Syna fordert:

Die Verteidigung der Würde am Arbeitsplatz nach dem 60. Lebensjahr ist mit Forderungen verbunden. Altersbedingte Kündigungen und Diskriminierungen müssen bekämpft, ein tatsächlicher Zugang zur Weiterbildung gewährleistet, die Arbeitsbedingungen bei gesundheitlichen Einschränkungen oder hoher Belastung angepasst und verhindert werden, dass das Ende der Berufslaufbahn als reine Anpassungsvariable behandelt wird.

Ebenso müssen Renten verteidigt werden, die ein Leben ermöglichen und nicht nur ein Überleben sichern. Dazu gehört die Anerkennung schwieriger Erwerbsverläufe, belastender Berufe, unfreiwilliger Teilzeitarbeit, tiefer Einkommen und aller Ungleichheiten, die sich während des Berufslebens angesammelt haben.

Schliesslich muss eine oft vergessene Selbstverständlichkeit betont werden: Die 60+ haben ihren festen Platz in der Gewerkschaft, in der öffentlichen Debatte und in sozialen Bewegungen. Ihre Stimme zählt, ihre Erfahrung zählt, ihre Würde ist nicht verhandelbar.

Für ein anderes Verständnis des Alters

Älter zu werden darf niemals bedeuten, unsichtbar, verdächtig oder verzichtbar zu werden. Eine würdige Gesellschaft schützt Menschen, wenn sie älter werden; sie drängt sie nicht aus dem Arbeitsleben und der Gemeinschaft heraus, gerade dann, wenn sie besonders Sicherheit, Respekt und Anerkennung benötigen.

Angesichts jener, die im Alter nur Kosten oder Schwäche sehen, braucht es eine gemeinsame Antwort: Das Alter nimmt einem Menschen nichts von seinem Wert. Im Gegenteil: Es verpflichtet dazu, Rechte zu stärken, Diskriminierung abzulehnen und eine konkrete Solidarität zwischen den Generationen zu leben. 

Für Alter, Arbeit und Würde einzustehen bedeutet, für eine Gesellschaft einzutreten, in der niemand zu alt ist, um zu zählen.

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