Nach dem heutigen Ja zur Liberalisierung der Sonntagsarbeit: Syna plant mit der Sonntagsallianz ein Referendum
Über die schlechten Arbeitsbedingungen im Detailhandel war in letzter Zeit viel zu lesen. Nun könnte sich die Situation weiter verschärfen. Müssen die Angestellten künftig dreimal so häufig Sonntagsarbeit leisten wie bisher? Dieses Szenario droht, nachdem in einem ersten Schritt der Nationalrat an der Vorlage «Zeitlich befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten» festhält. Sollte die Initiative am Ende angenommen werden, stellt die Gewerkschaft Syna gemeinsam mit den Partnerorganisationen der Sonntagsallianz ein Referendum in Aussicht.
Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen: Der Ständerat ist im Juni nicht auf den Gesetzesentwurf eingetreten. Mit dem heutigen Entscheid des Nationalrats bleibt das Geschäft jedoch hängig. Wie es weitergeht, hängt vom nächsten Beschluss des Ständerats ab. Dort könnte es in der Frühlingssession 2027 definitiv angenommen werden.
Dagegen wehrt sich die Gewerkschaft Syna, Mitglied der Sonntagsallianz: Nicht zuletzt, weil der Titel der Vorlage «Zeitlich befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten» ein falsches Bild vermittelt. Statt einer «zeitlichen Befristung» geht es darum, die heute bundesrechtlich möglichen bis zu vier Sonntage pro Jahr auf zwölf auszuweiten. Das entspricht einer Verdreifachung.
Zitat von Cornelia Bickert, Branchenverantwortliche von Syna
Die Folgen für die Angestellten wären einschneidend, ist Cornelia Bickert, Branchenverantwortliche bei Syna, überzeugt: «Auf ihrem Rücken soll eine weitere Umsatz- und Gewinnmaximierung erzielt werden. In einer von unregelmässigen Arbeitszeiten geprägten Niedriglohnbranche, in der chronische Überbelastung, geringe Planbarkeit, Abend- und Samstagsarbeit bereits zum Alltag gehören, ist dies nicht hinnehmbar. Gegen eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch zusätzliche Sonntagsarbeit wehren wir uns daher.»
Auch weitere Branchen wären betroffen
Doch nicht nur das Personal im Detailhandel ist betroffen. Wird die Vorlage am Ende angenommen, droht auch Mitarbeitenden in Branchen wie Reinigung und Sicherheit zusätzliche Sonntagsarbeit. Ihre Dienstleistungen sind eng mit dem Detailhandel verknüpft. Für die Angestellten dieser Branchen setzt sich Syna ebenfalls ein.
Zitat von Yvonne Feri, Präsidentin von Syna
Dass die Sonntagsarbeit erneut ausgeweitet werden soll, ist für Syna-Präsidentin Yvonne Feri unverständlich: «Das Parlament hat bereits vor wenigen Jahren eine Ausweitung verworfen. Es ist befremdlich, dass nun ein neuer Anlauf genommen wird. Längere Öffnungszeiten schaffen nicht mehr Konsum, sondern verteilen die vorhandene Nachfrage lediglich auf längere Verkaufszeiten.»
Syna bleibt wachsam
Syna setzt sich seit Langem gegen eine weitere Ausweitung der Sonntagsarbeit ein. Am 30. Oktober 2025 wurden beispielsweise mehr als 9'000 Unterschriften der Petition «Hände weg vom freien Sonntag» an National- und Ständerät/-innen übergeben. Die Unterschriften waren gemeinsam mit der Gewerkschaft Unia gesammelt worden.
Darum will Syna auch diesmal nicht tatenlos zusehen: Sollte es in der Frühjahrssession 2027 zur definitiven Annahme der Vorlage «Zeitlich befristete Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten» kommen, behält sich die Gewerkschaft gemeinsam mit den Partnerorganisationen der Sonntagsallianz das Referendum vor, um die Ausweitung der Sonntagsarbeit zu verhindern.
