Zum Hauptinhalt springen
Empfohlen

Zimmer Biomet baut in Winterthur ab: 490 Stellen weiterhin bedroht

Nach dem Konsultationsverfahren reduziert Zimmer Biomet den geplanten Stellenabbau in Winterthur von 580 auf 490 Stellen bis 2030. Damit sollen 90 zusätzliche Arbeitsplätze erhalten bleiben. Für Syna ist dies angesichts der weiterhin bedrohten Arbeitsplätze und der ungenügenden Berücksichtigung der Vorschläge der Arbeitnehmendenvertretung kein Grund zur Entwarnung. Der Abbau gefährdet Existenzen, wertvolles Fachwissen und den Industriestandort Winterthur.

Der US-amerikanische Medizintechnikkonzern Zimmer Biomet hält am geplanten Stellenabbau in Winterthur fest. Kündigungen werden frühestens ab 2028 erwartet, ein Sozialplan ist vorgesehen. Für die betroffenen Mitarbeitenden bleibt die Zukunft dennoch ungewiss.

Konsultationsverfahren: Vorschläge der Arbeitnehmenden kaum berücksichtigt

Bereits im September hat Syna den geplanten Stellenabbau kritisiert und den Erhalt der Produktionsarbeitsplätze in Winterthur gefordert. Denn mit den Stellen drohen auch langjähriges Fachwissen und industrielle Produktionskompetenz verloren zu gehen.
Nach dem Konsultationsverfahren hat Zimmer Biomet den geplanten Abbau von ursprünglich 580 auf 490 Stellen reduziert. Die Arbeitnehmendenvertretung (ANV) hatte Vorschläge eingebracht, um den Stellenabbau zu verhindern oder deutlich stärker zu reduzieren. Aus Sicht von Syna wurden diese jedoch nicht ernsthaft genug berücksichtigt. Das vorliegende Resultat widerspiegelt die Vorschläge der ANV bei Weitem nicht.
Der Fall zeigt auch die Grenzen des Konsultationsverfahrens auf: Die Mitwirkungsrechte, die in der Schweiz bestehen, stossen bei international tätigen Konzernen nicht überall auf dieselbe Akzeptanz. Umso wichtiger ist, dass Vorschläge der Arbeitnehmenden ernsthaft geprüft werden. Trotz dieser Reduktion bleibt der geplante Einschnitt erheblich: Von ursprünglich rund 730 Arbeitsplätzen könnten bis 2030 nur noch etwa 240 am Standort Winterthur verbleiben.

Frühzeitige Information und berufliche Perspektiven sind entscheidend

Für viele Mitarbeitende, die teilweise seit Jahrzehnten bei Zimmer Biomet arbeiten, ist die berufliche Zukunft weiterhin ungewiss.
In Winterthur produziert Zimmer Biomet hochspezialisierte Medizinprodukte wie Hüft-, Knie-, Schulter- und Ellbogenprothesen. Mit den Arbeitsplätzen drohen deshalb auch wertvolles Know-how und industrielle Produktionskompetenz verloren zu gehen. Das schwächt nicht nur die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien, sondern auch die regionale Wertschöpfung und den Industriestandort Winterthur. Zusammen mit dem angekündigten Stellenabbau bei Burckhardt Compression wächst der Druck auf die regionale Industrie weiter.
Wo Arbeitsplätze nicht erhalten werden können, müssen die Mitarbeitenden frühzeitig und transparent über die nächsten Schritte informiert werden. Sie brauchen verlässliche Informationen, konkrete Perspektiven und Unterstützung bei der Planung von Weiterbildungen, Umschulungen sowie ihrer nächsten beruflichen Schritte. Konkrete Anschlussmöglichkeiten in der Industrie sind für sie unabdingbar.

Syna fordert eine aktive Industriepolitik

Astrid Beigel, Branchenleiterin der Gewerkschaft Syna, betont: «Die Reduktion des geplanten Stellenabbaus darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin 490 Arbeitsplätze bedroht sind. Die Vorschläge der Arbeitnehmendenvertretung wurden bei Weitem nicht so berücksichtigt, wie wir es uns erhofft hatten. Es braucht mehr als ein Konsultationsverfahren auf dem Papier: Die Vorschläge der Arbeitnehmenden müssen ernsthaft geprüft werden.»
Auch der Kanton Zürich und der Bund sind gefordert. Der Fall Zimmer Biomet steht beispielhaft für eine grössere Herausforderung: Wie sichern wir Industriearbeitsplätze und Produktionskapazitäten in der Schweiz langfristig? Wenn Produktionsstandorte verschwinden, gehen häufig auch Wissen, Erfahrung und wichtige Teile der industriellen Wertschöpfung verloren.

Syna fordert deshalb Rahmenbedingungen, die den Erhalt der Produktion, qualifizierter Arbeitsplätze und industrieller Kompetenzen in der Schweiz fördern. Dazu gehören wirksame Mitwirkungsrechte für Arbeitnehmende und eine aktive Industriepolitik von Bund und Kantonen.

Ähnliche Beiträge

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ablehnen Akzeptieren