Bau in Bern steht still - Schweizweite Protestwelle auf dem Bau erreicht Bern
Nach einem kraftvollen Auftakt im Tessin sind die landesweiten Protesttage auf dem Bau heute in der Region Bern angekommen. Damit geben die Bauarbeiter ihre Antwort auf die Blockadehaltung der Baumeisterspitze im Rahmen der Neuverhandlung des Landesmantelvertrags (LMV). Denn obwohl heute jeder zweite Maurer die Branche verlässt, verweigert der Baumeisterverband familienfreundliche Arbeitszeiten für die Bauarbeiter. Rund 800 Bauarbeiter aus der Stadt Bern, aus Biel/Solothurn und aus dem Berner Oberland nahmen an einer gemeinsamen Demonstration in Bern teil. Der Protesttag in der Region Bern ist Teil einer landesweiten Branchenbewegung. Weitere Protesttage folgen in den kommenden Wochen in der ganzen Schweiz.
Der Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe (LMV) regelt die Arbeitsbedingungen der rund 80'000 Bauarbeitern, die bei Hitze, Regen und Kälte die Schweiz bauen. Der Gesamtarbeitsvertrag läuft Ende Jahr aus und muss neu verhandelt werden. Ohne Einigung bis Ende Jahr droht zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt ein vertragsloser Zustand auf dem Bau.
Familienfreundliche Arbeitszeiten längst überfällig
«Die Bauarbeiter sind am Limit. Arbeitstage bis neun Stunden in der Sommerhitze, Überstunden obendrauf und mehrstündige Reisezeiten vom Betrieb zur Baustelle. Kein Wunder kehren viele Bauarbeiter der Branche den Rücken. Es braucht Verbesserungen, damit die Bauarbeiter, die bei Wind und Wetter unser Land bauen, auch ein Familienleben haben können.», sagt Nico Lutz, Verhandlungsleiter und Mitglied der Unia-Geschäftsleitung.
Klare Forderungen der Bauarbeiter für eine attraktivere Baubranche
- • Schluss mit unbezahlter Reisezeit zur Baustelle: Heute wird die Reisezeit vom Betrieb zur Baustelle entgegen dem Gesetz erst nach 30 Minuten überhaupt entschädigt und zählt entgegen dem Gesetz nicht zur Arbeitszeit.
- Bezahlte Znüni-Pause: In anderen Berufen längst Standard.
- Kürzere Arbeitstage: Acht Stunden harte Arbeit sind genug.
- Garantierter Teuerungsausgleich zur Sicherung der Kaufkraft
Protestaktion auf dem Waisenhausplatz Bern
Heute trafen sich rund 800 Bauarbeiter aus dem Kanton Bern – darunter aus dem Berner Oberland, der Stadt Bern sowie aus Biel /Solothurn – zu einer überregionalen Protestversammlung auf dem Waisenhausplatz in Bern.
Mit einer Abstimmung bekundeten die Teilnehmenden ihre klare Bereitschaft, weiterzukämpfen, sollte bis Ende Jahr keine Lösung für die bestehenden Probleme im Baugewerbe gefunden werden. Im Anschluss an die Versammlung zogen die Bauarbeiter lautstark durch die Berner Innenstadt und machten mit ihrer Kundgebung deutlich, wie gross ihre Wut und Entschlossenheit ist.
Geduld der Bauarbeiter am Ende, landesweite Protestwelle geht weiter
Der heutige Protesttag in Bern ist Teil einer landesweiten Bewegung. Weitere Arbeitsniederlegungen folgen in anderen Regionen in den kommenden Wochen: am 3. und 4. November in der ganzen Romandie, am 7. November in der Nordwestschweiz und am 14. November in Zürich und anderen Teilen der Deutschschweiz.
Faktenblatt LMV-Neuverhandlung 2025 (Link)
Für weitere Auskünfte:
Michele Aversa, Co-Branchenleiter Bau, Syna, 078 775 32 64
Guido Schluepp, Co-Branchenleiter Bau, Syna, 079 777 11 17
