Sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung im Gesundheitswesen: Syna schweigt nicht
Anlässlich des 14. Juni lanciert Syna eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt und sexuelle Belästigung im Gesundheitswesen – einer Branche, die besonders betroffen ist und dennoch viel zu oft unsichtbar bleibt.
Eine alarmierende Realität im Gesundheitswesen
Laut einer Studie des Bundesamts für Statistik gibt jede zweite Frau an, im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn am Arbeitsplatz bereits sexuell belästigt worden zu sein. Im Gesundheitswesen berichten fast 60 % der Fachkräfte, sexistische oder unangemessene Verhaltensweisen durch Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzte oder Patientinnen und Patienten erlebt zu haben.
Arbeitsüberlastung, Personalmangel, ein sehr hoher Frauenanteil (in gewissen Bereichen bis zu 80 %) sowie eine besonders starre Hierarchie schaffen einen fruchtbaren Boden für Übergriffe – insbesondere dann, wenn Arbeitgeber ihrer Verantwortung nicht nachkommen.
Eine Kampagne, um das Schweigen zu brechen
Syna verteilt ab sofort einen speziell für das Gesundheitspersonal entwickelten Flyer – zusätzlich zu den bereits bestehenden allgemeinen Materialien für alle Berufsgruppen. Ziel dieser Kampagne ist es:
- Die Beschäftigten über ihre Rechte und mögliche Schritte zu informieren;
- Daran zu erinnern, dass die Gewerkschaft helfen, unterstützen und Missstände anprangern kann;
- Zahlen zu sammeln, um das Unsichtbare sichtbar zu machen – mittels einer Umfrage.
Heute wollen wir den Betroffenen eine Stimme geben und deutlich machen: Sexuelle Belästigung ist kein unausweichliches Schicksal. Diese Haltung unterstreicht auch Nico Fröhli, Branchenverantwortlicher Gesundheit bei Syna, «Mit der Kampagne wollen wir Druck machen auf die Arbeitgebenden, denn sie sind gesetzlich verpflichtet, ihr Personal vor jeglicher Form von Gewalt am Arbeitsplatz zu schützen.» Manche Spitäler und Kliniken verfügen bereits über wirksame Instrumente zur Bekämpfung dieses Problems – sie dürfen keine Ausnahme bleiben! Syna fordert, dass alle Einrichtungen solche Schutzmechanismen einführen und das Thema sexuelle Belästigung ernst nehmen.
Den ganzen Juni über organisiert Syna Sensibilisierungsaktionen in mehreren Regionen, um das Gesundheitspersonal zu informieren. Unsere Teams sind vor Ort im Einsatz, um Material zu verteilen, Kolleginnen und Kollegen aufzuklären und zu betonen: Das Recht auf Respekt und Würde ist nicht verhandelbar.
Syna fordert:- Die Einführung zugänglicher und unabhängiger Meldestellen in allen Gesundheitseinrichtungen – z. B. eine Vertrauensperson oder eine neutrale Anlaufstelle für das Personal;
- Obligatorische Schulungen für Führungskräfte und Teams zur Prävention sexistischer Gewalt;
- Nulltoleranz gegenüber sexistischem Verhalten und Repressalien gegen Betroffene;
- Eine stärkere Anerkennung der Rolle der Gewerkschaften bei der Verteidigung der Beschäftigten gegenüber solcher Gewalt – Gewerkschaften sind auch Whistleblower!
Genug ist genug. Sexismus hat am Arbeitsplatz keinen Platz.
Véronique Rebetez, Leiterin Sozialpolitik bei Syna, ruft zum gemeinsamen Engagement auf: «Am 14. Juni stehen Frauen für Gleichstellung auf. Und auch in den Spitälern, den Pflegeheimen, in der Spitex und allen Gesundheitseinrichtungen stehen wir auf – gegen sexualisierte Gewalt. Denn Respekt, Sicherheit und Gleichstellung müssen für alle garantiert sein.»
Weitere Informationen:
Nico Fröhli, Branchenverantwortlicher Gesundheit, 079 937 77 87Véronique Rebetez, Leiterin Sozialpolitik, 079 541 85 45
