Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz: eine reale Erscheinung
Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz ist für Tausende von Menschen in der Schweiz traurige Alltagsrealität. Die Ergebnisse der von Syna zwischen März und September 2025 durchgeführten Umfrage zeigen, dass darüber nicht gesprochen wird, dass es an Verfahren und Massnahmen mangelt und dass die Opfer noch zu oft den Preis für das Schweigen der Institutionen zahlen.
Ergebnisse der Umfrage
Mehr als vier von zehn Personen geben an, bereits mit einer solchen Situation konfrontiert gewesen zu sein. Am stärksten betroffen sind Sektoren mit ausgeprägten hierarchischen Strukturen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten.
In 40 % der Fälle ist der Täter … ein Vorgesetzter. Diese Zahl spricht für sich: Es handelt sich nicht um ein «sexuelles Problem», sondern um den Missbrauch sexueller Macht zur Ausübung von Macht und Dominanz.
Laut BFS (Bundesamt für Statistik) umfasst der Begriff sexualisierte Gewalt alle Sexualstraftaten gemäss Strafgesetzbuch, wenn eine Handlung, ein Wort oder ein Verhalten sexueller Natur ohne Einwilligung und zu Zwecken der Dominanz ausgeübt wird.Anzeigen und ergriffene Massnahmen
Trotzdem wagen es nur 22 % der Betroffenen, die Vorfälle zu melden. Die Angst der Opfer, dass ihnen nicht geglaubt wird, die Stelle zu verlieren oder Repressalien zu erleiden, wiegt schwer. Auch die Scham. Und das Misstrauen gegenüber oft undurchsichtigen oder gar nicht existenten Verfahren.
Interne Prozesse sind zu schwach. Weniger als die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihr Unternehmen über ein klares Verfahren verfügt.Zeugnis
- «Niemand aus der Leitung, nicht einmal die Personalabteilung, hat mich geschützt.»
- «Nachdem ich den Vorfall gemeldet hatte, wurde ich suspendiert.»
- «Ich habe es nicht gemeldet, weil die Personalabteilung keine Anonymität garantiert.»
- «Ich wurde im Aufzug bei der Arbeit von einem Kollegen sexuell Belästigt.»
Syna schlägt eine echte Lösung vor: eine neutrale und unabhängige Stelle.
Auf Grundlage dieser Ergebnisse fordert Syna die Einrichtung einer unabhängigen Anlaufstelle, die für das gesamte Personal zugänglich ist – ausserhalb der direkten Hierarchie. Diese Stelle soll Vertraulichkeit garantieren, vor Repressalien schützen und Betroffene weiterleiten.
Und um glaubwürdig zu sein, muss sie unter tripartiter Aufsicht stehen: Staat, Gewerkschaften und Arbeitgeber. Das Ziel ist einfach: Respekt soll gelebte Kultur werden – kein Slogan. Syna bekräftigt ihr Engagement, das Schweigen zu brechen, die Betroffenen zu schützen und für Arbeitsplätze einzutreten, an denen Respekt nicht verhandelbar ist.
