Unsere Arbeit – unsere Zukunft: die Herausforderungen
Wandel durch Digitalisierung: Die Arbeitswelt verändert sich rasant - das sind die Herausforderungen.
Grundlage des digitalen Wandels sind neue Technologien aus der Informations- und Kommunikationstechnik. Sie vereinfachen Produktions-, Verarbeitungs- und Logistikprozesse und ersetzen dabei in vielen Fällen die menschliche Arbeit: Nicht nur serielle, monotone Tätigkeiten fallen weg, sondern auch viele Arbeiten in Bereichen wie Analyse, Kontrolle oder Sachbearbeitung werden automatisiert.
Mit dem Wandel der Arbeitswelt verschwinden einerseits viele Arbeiten oder ganze Berufe, und es droht Stellenverlust. Andererseits entstehen neue Stellen, vor allem mit Beratungs-, Kommunikations- und Koordinationsaufgaben. Wohin die Entwicklung führt und wie schnell sie abläuft, ist noch nicht absehbar.
Anforderungen steigen
Die neu entstehenden Berufe und Aufgaben stellen an Arbeitnehmende höhere Anforderungen an Wissen und Know-how. Die Arbeit im digitalen Umfeld wird komplexer und verändert sich schneller. Sie erfordert von den Arbeitnehmenden laufend neue Fähigkeiten und Kompetenzen. Diese müssen sie sich rechtzeitig aneignen, wenn sie den Anschluss an den Arbeitsmarkt nicht verpassen wollen.
Arbeitsverhältnisse geraten unter Druck
Mit der Digitalisierung werden Dienstleistungen und Produkte vermehrt exakt nach Kundenbedürfnissen und Nachfrage an verschiedenen Orten, kurzfristig und in kleinen Mengen angeboten. So wird die Arbeit immer weniger voraussehbar. Das führt dazu, dass klassische, unbefristete Arbeitsverhältnisse unter Druck geraten: Es werden Leistungen eingekauft, anstatt Menschen angestellt. Das Phänomen der Scheinselbstständigkeit nimmt zu – Stichwort «Uberisierung». Dabei wälzen die Unternehmen ihre Verantwortung und ihre Risiken an die Arbeitnehmenden ab und umgehen die Sozialversicherungen.
Lohn: Finanzieller Druck wächst
Für Unternehmen ist angesichts des globalen Wettbewerbs der Preisdruck generell gross. Die Vergabepraxis im öffentlichen Beschaffungswesen fokussiert stark auf das Kriterium Preis. Weil es zu selten Arbeitsmarktkontrollen gibt, nehmen Lohndumping und systematische Lohnunterbietungen zu. Vor allem grössere Unternehmen missbrauchen Praktika oder Personalverleih und fördern die Scheinselbstständigkeit, um Lohnkosten zu sparen und das Unternehmerrisiko abzuwälzen. Die Mitarbeiter-Perspektive geht dabei verloren.
Dies alles hat fatale Konsequenzen für die Lohnentwicklung: In vielen Branchen sind die Löhne ungenügend – und durch individuelle Lohnanpassungen ungerecht verteilt. In Tieflohnbranchen kommt es zu prekären Arbeitsverhältnissen, das Phänomen «Working Poor» ist auch in der Schweiz präsent.
Nach wie vor besteht zudem die Lohnungleichheit zwischen Frau und Mann. Sie ist nicht nur ungerecht, sondern benachteiligt die Frauen auch bei ihrer Berufskarriere und beschert ihnen im Alter tiefere Renten.
Gesellschaft: Solidarität nimmt ab
Der Trend zur Individualisierung verstärkt sich: Einerseits gewinnen Werte wie Freizeit und Familie an Bedeutung.
Andererseits verstärken sich die Konsumhaltung und die Erwartung, Produkte und Dienstleistungen jederzeit zu erhalten. Weil dadurch die Arbeit flexibilisiert wird, macht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wenig Fortschritte. Die Entsolidarisierung steigt: Rückzug ins Private und politische Extrempositionen treten an die Stelle von gesellschaftlichem Engagement, Zusammenarbeit und gemeinsamer Lösungsfindung.
Nur wenige profitieren
Die Lebensbedingungen driften auseinander, weltweit und in der wohlhabenden Schweiz: Explodierende Managerlöhne bei gleichzeitig noch vielen Tieflohnjobs und stagnierenden mittleren Löhnen lassen die Lohnschere immer weiter aufgehen. Auslagerungen und Restrukturierungen treiben zudem die Sockelarbeitslosigkeit in die Höhe. Dagegen profitieren einige wenige überproportional vom wirtschaftlichen und technischen Fortschritt und besitzen immer mehr. Armut, Migration und Konflikte sind globale Zeichen für Fehlfunktionen der aktuellen Wirtschaftsordnung.
